Quo Vadis 2020?

Drei Fragen an Randolph Maurer

3. Februar 2020

Herr Maurer, alle reden von schwächelnder Konjunktur. Kann man Abschwung auch herbeireden?

Ein wenig bestimmt. Seit zehn Jahren wächst das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beständig; dies ist einer der längsten Aufschwünge der Nachkriegsgeschichte. Nun hatten wir in 2019 in zwei Quartalen einen Rückgang des BIP um etwa 0,1 Prozent gegenüber den Vorquartalen. Rein technisch ist das eine Rezession. Hinzu kommt die Stimmungslage aufgrund der geopolitischen Lage und der Handelskonflikte. Weiterhin der Umbruch in der deutschen Automobilindustrie.

Dennoch bewegen wir uns wirtschaftlich auf einem hohen Niveau und wir tun gut daran zwar wachsam, aber nicht pessimistisch zu sein. Sonst wird das eine selbsterfüllende Prophezeiung.

imb troschke begreift sich als Unternehmen mit Innovationsgen. Was tun Sie 2020, um Innovation zu fördern?

Es heißt für uns wachsam zu sein, Strömungen und Veränderungen wahrzunehmen und uns als Unternehmen darauf einzustellen. Wir werden verstärkt Workshops für alle Mitarbeiter veranstalten, in denen es darum geht, eingetretene Pfade zu verlassen und Räume bzw. Szenarien für neue und überraschende Lösungen zu schaffen.

Sprechen wir über Messen. Schließlich sind sie das Kerngeschäft von imb troschke. Wohin geht die Reise und sind Messen in fünf Jahren überhaupt noch relevant?

Bei Messeauftritten ist eine Abkehr von schierer Größe und riesigen Etats festzustellen. Es geht vermehrt um Content und die Darstellung der Marke. Dies geht auch auf einer kleineren Fläche. Der Trend geht weg von Quantität und hin zu Qualität. Wobei sich die Qualität nicht auf den reinen Messebau bezieht, sondern auf die Aussage des Standes. Ein Messeauftritt wird noch mehr im Kontext des gesamten Kommunikationskonzeptes des Unternehmens gesehen, als dies bisher der Fall war.

Somit sind auch die Veranstalter gefragt. Die Messegesellschaften müssen die Bedürfnisse der Aussteller treffsicher einschätzen, die richten Formate schaffen, Mehrwert bieten, Rahmenbedingungen optimieren. Und vor allem: Sie müssen ihre Kunden besser kennen und die Kommunikation mit ihnen stärken.

Gelingt dies, ist mir um die Relevanz von Messen überhaupt nicht Bange. Sie werden sich verändern, aber im Kommunikationsmix ihren wichtigen Platz für die persönliche Begegnung behalten.